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Film Info
Official Selection Competition Festival de Cannes 2013 Prädikat besonders wertvoll
"Ein beeindruckender Film über die Diskrepanz zwischen Recht und Gerechtigkeit und eine gelungene Literaturverfilmung eines Werkes mit ungebrochener gesellschaftlicher Relevanz.
Ein Meisterwerk." (FBW)

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MICHAEL KOHLHAAS: ICH HABE PRINZIPIEN. «

TRAILER

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ÜBER DEN FILM

Ein Mann fordert Gerechtigkeit und sein Recht: Michael Kohlhaas steht auf gegen die Lehnsherren und ihre Willkür. Im 16. Jahrhundert führt der Pferdehändler Kohlhaas ein glückliches Familienleben mit Frau und Tochter auf dem eigenen Hof. Auf dem Weg zum nächsten Markt verlangt der Verwalter des neuen Barons ohne rechtliche Grundlage einen Passierschein. Kohlhaas muss seine zwei Rappen als Pfand zurücklassen, die er später nach schonungsloser Feldarbeit in miserablem Zustand zurücknehmen soll. Gegen dieses Unrecht reicht der ehrliche und gläubige Mann erfolglos Klage ein. Als seine geliebte Frau bei der Prinzessin um Gerechtigkeit flehen will, wird sie gar nicht zu ihr vorgelassen, sondern von ihren Untergebenen abgewiesen und lebensbedrohend verletzt. Sie stirbt an den Folgen ihrer Verletzungen in Kohlhaas' Armen. Untröstlich über den Verlust und voller Zorn gegen die ungerechte Obrigkeit begibt er sich gemeinsam mit seinen Getreuen und Rebellen aus der Bevölkerung auf einen Feldzug gegen die Herrschenden und hält das Land in Atem. Die Prinzessin bietet ihm freies Geleit an bis zur Wiederaufnahme der Rechtssache, wenn er die Waffen niederlegt. Kohlhaas geht auf die Bedingungen ein und schickt seine Männer nach Hause. Am Ende aber muss er für die Taten anderer büßen. Er bekommt zwar Recht, aber keine Gerechtigkeit, bezahlt seinen Kampf gegen die Obrigkeit mit dem Leben.

Heinrich von Kleists Novelle MICHAEL KOHLHAAS aus dem Jahr 1810 erzählt eine universelle Geschichte vom Widerstand gegen Willkür, vom Kampf des Individuums gegen Obrigkeit, ein Schrei nach Gerechtigkeit. Universelle Themen, die weit über den deutschen Sprachraum hinweg Gültigkeit haben. Der Franzose Arnaud des Pallières verfilmt feinfühlig und fulminant dieses Stück deutsche Literatur, verlegt die Handlung aus dem 16. Jahrhundert von Brandenburg und Sachsen in die Cévennen, eine karge Region wie geschaffen für diese Tragödie eines aufrechten Mannes, dargestellt von einem faszinierenden Mads Mikkelsen. Ein kraftvoller Film mit starken Emotionen und einer atemberaubenden Bildsprache (Kamera: Jeanne Lapoirie) über eine große Liebe und den ewigen Konflikt zwischen "Oben und Unten", den nie verhallenden Ruf nach Freiheit. Dieser MICHAEL KOHLHAAS schlägt furios den Bogen zur Gegenwart mit ihrer Unterdrückung und Ungerechtigkeit und den Kampf oppositioneller Bewegungen und unterstreicht auch Stéphane Hessels Aufforderung "Empört Euch".
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ÜBER DIE PRODUKTION

INTERVIEW MIT MADS MIKKELSEN

Was hat Sie speziell an diesem Projekt gereizt?
Ich hatte das Gefühl, das ist ein sehr radikales und sehr herausforderndes Projekt. Nicht nur wegen der Hauptfigur, sondern wegen der ganzen Geschichte. So etwas kriegt man nicht jeden Tag in unserem Beruf auf den Tisch. Eine Art des Erzählens, die sich ganz einer Idee unterwirft, einer Person. Vor meinem ersten Treffen in Kopenhagen mit Arnaud des Pallières wusste ich nichts über ihn. Weder wer er war, noch was er gemacht hatte. Zwei Stunden später wusste ich immer noch nicht mehr, aber ich war neugierig darauf, mehr zu erfahren und mit ihm zu arbeiten. Wir haben uns in einem Café getroffen. Der Großteil unserer Unterhaltung lief in englisch ab und größtenteils mit Produzent Serge Lalou als Übersetzer. Arnaud pflegt einen merkwürdigen und sehr respektvollen Bezug zu Sprachen, obgleich sein englisch gar nicht schlecht ist, zieht er es vor, nicht zu viel englisch zu reden. Trotzdem folgte er der Unterhaltung sehr aufmerksam, obgleich er nicht oft direkt das Wort ergriff. Was seine Einmischungen (in französisch oder in englisch) umso intensiver machte. Mir war klar, dass er sich mit diesem Film eine große Aufgabe gestellt hatte.

Wer ist dieser MICHAEL KOHLHAAS?
Kohlhaas ist eine einzigartige Persönlichkeit. Das ist nicht irgendwer, er ist nicht wie Sie oder ich. Er verlangt die einfachste Sache der Welt (Gerechtigkeit, gleiches Recht für alle). Kohlhaas ist ein Mann, dessen Ideale größer sind als er selbst, mehr zählen als sein eigenes Leben.

Wie haben Sie sich auf die Rolle vorbereitet?
Erst einmal durch intensive Beschäftigung mit dem Drehbuch. Aber die wichtigste Vorbereitung ist immer der Austausch mit dem Regisseur. Ich habe ihm sehr viele Fragen gestellt und versucht, ein Maximum an Antworten zu erhalten. Und ich habe akzeptiert, dass nicht alle Fragen beantwortet wurden, bevor ich mich in die Arbeit gestürzt habe. Ich versuche immer, mich den Gedanken und Gefühlen eines Regisseurs anzunähern und seiner Vision, und nicht nur einfach der Figur, die ich verkörpere. Anlässlich meines ersten Treffens mit Arnaud hatte ich meiner Meinung nach sehr vernünftige Ideen für die Figur und Vorschläge für das Drehbuch im Gepäck. Arnaud hat sie alle weggefegt mit seinem "Nein. Nein. Nein". Daran war ich eigentlich nicht gewöhnt. Das hat mich aber nicht einmal gestört, mich beeindruckte seine Leidenschaft und seine Begeisterung. Und dann hat er mir sofort erklärt, warum diese Geschichte genau so und nicht anders erzählt werden musste. Während der nachfolgenden Vorbereitung haben Arnaud und ich oft lange diskutiert, wir haben uns mit (fast allem) auseinandergesetzt. Bei den Dreharbeiten wurde dann weniger gesprochen. Es entwickelte sich eine sehr intuitive Zusammenarbeit mit immer weniger Worten. Alles war ja schon lange ausdiskutiert.

Wie führt Arnaud des Pallières Regie?
Vor der ersten Aufnahme hat er nichts gesagt. Er ließ mich einen Vorschlag machen, seine konkreten Anweisungen folgten anschließend. Das konnten wenige, aber auch mal eine ganze Reihe sein. Einige Szenen waren in drei Takes im Kasten, andere brauchten einen Tag. Wir haben beispielsweise einen ganzen Tag gebraucht für die Szene, in der Kohlhaas verzweifelt versucht, seine mit dem Tode ringende Frau zu retten. Eine sehr harte Szene für beide Schauspieler, physisch und emotional, gedreht in einer einzigen Einstellung von dreizehn Minuten. Dass wir sie immer wiederholt haben, lag nicht daran, dass etwas nicht stimmte, sondern – im Gegenteil – es gab so viele passende Optionen, die alle richtig und wunderbar wirkten, dass es einfach schwierig war, die Beste zu bestimmen. Im Spielverlauf selbst genossen wir eine große Freiheit. Und die Müdigkeit am Ende des Tages war eine gute Müdigkeit. Arnauds Arbeitsweise hat mich nicht besonders überrascht. Wir kannten uns inzwischen und jeder wusste, was er tun musste, ohne den anderen einzuengen. Die Arbeit unterschied sich nach Funktion der Szenen, war aber auch immer geprägt von einer bestimmten Art von Klarheit und Konsequenz.

Welche Szene ist Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben?
Die, von der wir gerade gesprochen haben. Kohlhaas und seine Frau im Todeskampf. Und auch dieser unglaubliche Moment, wo ich helfe, ein Fohlen auf die Welt zu bringen. Man kann die Geburt eines Fohlens nur bis zu einem gewissen Punkt planen. Selbst zuzupacken und einen Mann zu verkörpern, zu dessen Gewohnheit und Alltag so eine Geburt gehört, ist eine andere Sache. Es gab auch nur einen einzigen Take. Pferdetrainer Sanabra, der uns lehrte, wie man richtig aufsitzt, war an meiner Seite, aber außerhalb des Sichtfeldes. Er flüsterte mir zu, was ich zu tun hatte und plötzlich war das Fohlen da, plötzlich hielt ich es in meinen Armen. Ein magischer Moment. Ich musste schon kämpfen, nicht von Gefühlen überwältigt zu sein… aber die Geburt gehörte zum Alltag von Kohlhaas und ich musste mich mit meinen Emotionen zurückhalten.

Inwiefern waren diese Dreharbeiten etwas Besonderes für Sie?
Die Pferde machten den größten Teil im Leben von Kohlhaas aus, also auch für mich. Während der Vorbereitung wohnte ich bei Sanabra und seiner Familie. Bei ihnen habe ich gelernt, mit den Pferden zusammen zu sein. Ich war von wunderbaren Pferden umgeben, in manchmal gefährlichen und verrückten Situationen, aber sie verhielten sich von Tag zu Tag besser. Ich wurde mit der Zeit geschickter und auch viel ruhiger. Arnaud war dabei. Er sprach mit uns über den Film, ich war umgeben von Schauspielern, die wie ich gekommen waren, um mit Arnaud und den Pferden zu arbeiten. Sanabra hat mir auch abends bei einem Glas Wein französisch beigebracht. Arbeitsmäßig war das eine sehr herausfordernde Zeit, die aber die schönsten Erinnerungen in mir wach ruft.

Was können wir durch Kohlhaas` Geschichte über uns selbst lernen?
Ich glaube nicht, dass ein Film uns unbedingt etwas lehren soll. Schön, wenn es der Fall ist, aber das ist nicht mein vorrangiges Anliegen, sonst wäre ich Politiker oder Lehrer geworden, nicht Schauspieler. Natürlich erzählt der Film eine Geschichte. Er zeigt, wie die Besessenheit von Recht und Gerechtigkeit auch Ungerechtigkeit und Blindheit hervorbringen kann und zeigt einen Mann, der wegen einem Ideal, das er verfolgt, alles verliert. Die Geschichte von Michael Kohlhaas ist eine philosophische Reise ins Herz des Menschen, ich hoffe, dass empfinden viele Zuschauer ebenfalls.

Interview: Johannesburg, April 2013

INTERVIEW MIT REGISSEUR ARNAUD DES PALLIÈRES

Wie sind Sie auf die Novelle von Heinrich von Kleist gestoßen?
Als 25-jähriger habe ich MICHAEL KOHLHAAS gelesen und sofort an einen Film gedacht, fühlte mich aber noch nicht dazu in der Lage. Ich war jung, ein solcher Film war teuer und vom Inhalt her sehr komplex, und ich hatte zu der Zeit drei überwältigende Vorbilder, die ich sehr verehrte: "Aguirre, der Zorn Gottes" von Werner Herzog, "Die sieben Samurai" von Akira Kurosawa und "Andrej Rubljow" von Andrej Tarkowski. Ich musste also erst einmal auf eine entsprechende Weisheit und Reife warten … die allerdings bis heute ausgeblieben sind. 25 Jahre später habe ich mir gedacht, wenn ich jetzt noch weiter auf ein Geschenk des Himmels warte, wird es nie etwas mit dem Film und jemand anders wird ihn statt meiner realisieren… Also habe ich mich ins Zeug gelegt.

Woher kommt Ihre Leidenschaft für diese Geschichte?
Durch die einzigartige Titelfigur, ihre Würde, ihre unheimliche Energie. Beim Lesen von MICHAEL KOHLHAAS hat man das Gefühl, einem Feuerball zu folgen. Aber am meisten hat mich dieser Moment beeindruckt, in dem Kohlhaas kurz vor der Machtübernahme im Land seine Armee auflöste und nach Hause zurückkehrte. Dass er akzeptiert hat, wieder ein ganz normaler Mann zu sein, weil er das erreicht hatte, was er wollte: ein Wiederaufnahmeverfahren vor einem Gericht. Diese Härte, die Kohlhaas ausmacht, hat mich erschüttert und erschüttert mich immer noch. Ein Mann siegt durch seinen Mut und Entschlossenheit, er hat die Möglichkeit, die Macht zu übernehmen und schlägt sie aus, weil er eine bestimmte moralische Haltung hat. Das ist für mich eine der schönsten politischen Geschichten, die man überhaupt erzählen kann.

Ihr MICHAEL KOHLHAAS ist eine freie Adaption der Novelle. Welche Freiheiten haben Sie sich gegenüber dem Originaltext herausgenommen?
Natürlich war mir immer klar, dass es sich um eine deutsche Novelle handelte. Ich liebe und bewundere die deutsche Literatur, verfüge aber noch nicht einmal über Grundkenntnisse der deutschen Sprache. Ich wollte in französisch drehen und hatte keine andere Möglichkeit, als die Geschichte zu "französieren". Um den Bezug der Figuren zum aufkommenden Protestantismus zu wahren, zwangen sich die Cevennen sozusagen auf, denn zu Beginn des 16. Jahrhunderts lebten Katholiken und Protestanten friedlich in dieser rauen und wunderbaren Region zusammen. Zu den vorhandenen Figuren habe ich noch eine Reihe anderer Charaktere in den Film eingefügt, um Kohlhaas aus seiner zu großen "heldenhaften Einsamkeit" zu lösen – seine Tochter, den jungen Prediger, den jungen Knecht Jérémie, den Laienbruder Manchot. Auch die Dialoge wurden neu geschrieben in einer sehr modernen Sprache. Christelle Berthevas und ich haben uns diese Freiheit erlaubt und hoffen, dennoch Kleist gerecht geworden zu sein. Diese Geschichte ist weder französisch deutsch, sondern universell.

MICHAEL KOHLHAAS spiegelt auch eine Epoche wider, die Renaissance?
Die Geschichte spielt im 16. Jahrhundert. Am Scheideweg zweier Epochen. Auf dem Land verfügte ein verarmter Adel noch über feudale Vorrechte aus dem Mittelalter. In den Städten entwickelte sich eine andere Welt, ein gebildetes und oft gut situiertes, aber noch von der politischen Macht ausgeschlossenes Bürgertum. Drei Charaktere stießen aufeinander: Der feudalistische junge Baron, der für die Ungerechtigkeit verantwortlich ist, der Händler Kohlhaas mit seinen bürgerlichen Rechten, der gegen die Ungerechtigkeit aufsteht, aber durch seinen Individualismus begrenzt ist, und Jérémie, Kohlhaas` junger Knecht, der die Revolution mit der Utopie von Freiheit und Glück schon ahnen lässt, die die Bauernrevolte in Frankreich und Deutschland in den Jahren 1520 bis 1530 inspirierte.

Die Geschichte passt in übertragener Form auch in unsere Gegenwart?
MICHAEL KOHLHAAS leugnet nicht den Bezug zu unserer heutigen Welt: Wie kann ein anerkannter Kaufmann, ein liebender Ehemann und aufmerksamer Vater ein Fanatiker werden? Wie kann so jemand von einer Idee besessen sein? Ein unbescholtener Mann, der den Tod in Kauf nimmt, nur damit er Recht und Gerechtigkeit bekommt? Diese Fragen bestimmen auch heute noch die Politik.

Ist Michael Kohlhaas ein Revolutionär?
Als Opfer einer zum Himmel schreienden Ungerechtigkeit besteht er auf seinem Recht, aber die Gesellschaft lässt ihn fallen. Frustriert erklärt er dieser Gesellschaft den Krieg und wählt den Weg der Gewalt, folgt aber dabei seinem Gerechtigkeitssinn als moralischer Instanz. Kohlhaas führt seine Truppe in brutale Auseinandersetzungen ohne jegliche politische Strategie. Wiedergutmachung zu erhalten wird für ihn das Wichtigste im Leben, in seinem und dem der anderen. Es ist für ihn eine persönliche Sache. Er ist kein Revolutionär. Würde man Kohlhaas heute einen Terroristen nennen? Kohlhaas ist ein ganz normaler Mensch, der wegen einer Ungerechtigkeit, die ihm widerfahren ist, der Feind einer ganzen Gesellschaft wird. Sein permanent wiederholter Satz "ich will meine Pferde im alten Zustand zurück haben", beweist seine Unfähigkeit zum Kompromiss. Vielleicht wäre Kohlhaas heute eine Art Terrorist, ich weiß es nicht. Aber ich vergesse nicht den Standpunkt des deutschen Rechtsphilosophen Rudolf von Jhering aus dem 19. Jahrhundert, der Kohlhaas als Vorreiter im Kampf um das Recht sieht, eine Art Vor-Revolutionär, der gegen vorherrschende Privilegien kämpft. Jhering hält es für ungerecht, Kohlhaas des Individualismus zu beschuldigen, denn für sein eigenes Recht zu kämpfen, heißt auch immer für das Recht der anderen zu kämpfen. Für ihn ist Kohlhaas ein "Märtyrer des Rechtsgefühls", der sein Leben für eine Idee opfert.

Wie stehen Sie zu der Gewalt in Ihrem Film?
Die Romantik von Kleist drückt sich auch in einer Faszination für Gewalt in bestimmten Situationen aus. Massaker, Plünderung und Hinrichtungen in seiner Novelle erinnern ein wenig an das heutige Kino, wo die Gewalt in jeglicher Ausprägung gefeiert und manchmal auch lyrisch verziert wird. Feuer und Explosionen gehören zu dieser Idealisierung und Spiritualisierung von Gewalt. Ich habe es vorgezogen, Gewalt etwas kühler darzustellen – die Angst und das Leid zu zeigen, die Angst vor dem Leid, aber auch, dass die Angreifer genauso viel Angst haben wie die Angegriffenen. Ich beschönige nichts, präsentiere die Fratze der Gewalt in ihrer ganzen Hässlichkeit.

MICHAEL KOHLHAAS ist ein historischer Film. Wie sind Sie mit den narrativen Chiffren des Genres umgegangen?
Historische Filme strahlen oft eine akademische Steifheit aus, nicht nur, weil sie mehr kosten als ein zeitgenössischer Film, sondern auch, weil die Wahnvorstellung herrscht, dass ein historischer Film oder "Kostümfilm" als "künstlerisch" gelten und schöner sein soll als ein Gegenwartsfilm. Für mich war weniger die dem Buch getreue Nachbildung wichtig, als die Arbeit in Bezug auf Szenenbild und Kostüm so unauffällig und unsichtbar wie möglich zu gestalten. Die Darstellung einer Region aus dem Europa des 16. Jahrhunderts sollte wahr und lebendig sein, sie sollte uns mehr berühren durch die Menschen und ihre Gefühle, statt uns durch tolle Kostüme und Szenebilder vom Wesentlichen abzulenken. Und Bilder und Ton sollten nicht sophisticated sein. Ausschlaggebend war auch der Bezug zur Gegenwart und gleichzeitig hat der Film den Charakter einer Dokumentation über das 16. Jahrhundert.

Können Sie etwas zum Set-Design sagen?
Die Kosten spielten eine nicht unwichtige Rolle. Ich ziehe generell Außenaufnahmen on Location vor, die sind zum einen oft historisch genauer und geben Schauspielern und Zuschauern eine familiäre Umgebung – die Natur. Das gelingt nie bei Innenaufnahmen, selbst bei minimaler Rekonstruktion. Sie sind immer abhängig von Ausstattung und Lichtsetzung. Soweit möglich, habe ich jedes Mal Innen- durch Außenszenen ersetzt. Die Bergwelt der Cevennen als Kulisse war optimal. Von Anfang an hatte ich sie mir als Location vorgestellt, auch weil sie gegen eine bestimmte Modernität im Look schützen und weil sie eins sind mit der Figur. Wenn ich mir Kohlhaas` Gesicht als Landschaft vorstelle, sehe ich Berge. Abweisend und gleichzeitig anziehend. Wie das Gesicht von Mads Mikkelsen. Wir haben die Cevennen und das Gebirgsmassiv Vercors als Drehort gewählt. Das Vercors erinnert an die Geschichte der Resistance im Zweiten Weltkrieg, und die Cevennen haben eine Vergangenheit, die eng mit Widerstand verknüpft ist – einem Widerstand, der auch in Kleists Novelle zu finden ist: die Reformation. Kohlhaas ist protestantisch. Das heißt, ein Mann liest die Bibel in seiner Sprache ohne Vermittlung durch den Klerus. Und er begreift die Bedeutung des Rechts und fordert es eines Tages gegen den Rest der Gesellschaft ein.

Welche Konzeption bestimmt das Kostüm-Design?
Aus Kostengründen haben wir uns da auch beschränkt, bis auf Kohlhaas wechseln die Figuren ihre Kleidung nicht. Als ich Kostüm-Designerin Anina Diener traf, bat ich sie, sich von der deutschen Mode bei Urs Graf oder Holbein inspirieren zu lassen, die schien mir moderner. Stilisiert erinnert sie an einen Western. Die Kostüme sollten nicht von der Aufmerksamkeit ablenken und dem Set-Design entsprechen. Anina Diener hat sehr sensibel die Farben der Landschaft verarbeitet. Ein weiterer Aspekt war die Geräuschlosigkeit der Kostüme. Der Zuschauer sollte die Epoche vergessen.

Hatten Sie von Anfang an eine feste Vorstellung, wie Sie den Film realisieren wollten?
Mir schwebte eine Art Western vor. Ein Film, in dem Geschichte, Figuren, ihre Gefühle, ihre Art der Anpassung an die Natur und die Präsenz von Tieren bestimmend sind. Kleist sei Dank, konnte ich auf eine sehr starke Persönlichkeit als Hauptfigur und eine Geschichte mit der Wucht einer Legende zurückgreifen. Es blieb mir also nur noch die Aufgabe, Leben vor der Kamera zu wecken und die Geschichte ohne Effekte zu erzählen. Es gab also nicht zu viele Vorgaben für die Inszenierung oder die Kamerabewegungen, und auch nicht für den Einsatz des Tons. Es kam nur darauf an, die Figuren zum Leben zu bringen und die Geschichte zu erzählen. Das mag sich leicht anhören, erforderte aber größte Aufmerksamkeit für jedes kleine Detail.

Kamerafrau Jeanne Lapoirie zaubert Bilder von atemberaubender Schönheit. Wie verlief die Zusammenarbeit?
Auch hier bestimmte unser schmales Budget die Vorgehensweise. Wir arbeiteten ohne großen technischen Ballast und aufwändige Lichtausrüstung. Beim Betrachten von Kurosawas "Die sieben Samurai" waren wir beeindruckt von der Dynamik seiner Panoramabilder. Die dienten uns als Vorbild. Auf der anderen Seite haben wir versucht, die besten Tageszeiten für unsere Dreharbeiten zu nutzen wie Morgengrauen und Abenddämmerung oder das Zwielicht. Der Einsatz von natürlichem Licht verlangt, sich flexibel nach dem Wetter zu richten und das Beste daraus zu machen. Man darf nicht in den Fehler verfallen, alles kontrollieren zu wollen. Ein Schatten, ein Lichtreflex oder ein anderer Farbton sorgen oft für Wunder. Jeanne und ich überlassen manches gerne dem Zufall. Sonne, Wolken, Wind oder Nebel werden zu Mitspielern wie richtige Schauspieler.

Was macht Mads Mikkelsen zum idealen Kohlhaas?
Ich konnte mir keinen französischen Schauspieler als Kohlhaas vorstellen. Ich suchte so etwas wie ein Pendant zu Clint Eastwood, nur mindestens dreissig Jahre jünger. Ich glaube, so ein Typus existiert in ganz Frankreich nicht. Sarah Teper, verantwortlich für das Casting, erwähnte eines Tages den Namen Mads Mikkelsen. Im Internet habe ich dann das Gesicht dieses Mannes entdeckt. Im ersten Moment sagte ich Nein. Es schien mir keine gute Idee, dass Kohlhaas – wie soll ich es sagen – so aussehen sollte. Wir haben dann weiter gesucht nach englischen, polnischen und italienischen Schauspielern, bis der Name des dänischen Schauspielers erneut auftauchte. Dann habe ich die "Pusher"-Trilogie gesehen und war verblüfft über Mads' Wandlungsfähigkeit als Schauspieler, aber zweifelte immer noch, ob er den Kohlhaas verkörpern könnte, einen frommen Mann, guten Familienvater… Erst nach seiner Performance in Susanne Biers "After the Wedding", wo er einen ganz normalen Mann spielt, war ich überzeugt, mit ihm den richtigen Michael Kohlhaas gefunden zu haben. Wir haben das Drehbuch übersetzt und seinem Agenten geschickt. Ihm gefiel das Drehbuch und er wollte mich treffen. Produzent Serge Lalou und ich setzten uns ins nächste Flugzeug und trafen uns in Kopenhagen mit Mads Mikkelsen. Er hatte seine Idee der Figur und ich die meinige. Wir sind ziemlich aneinander geraten und es wurde auch mal laut. Nach der Rückkehr habe ich dann meinem Produzenten gesagt, Mads und ich haben unsere erste Arbeitssitzung schon hinter uns.

Inwieweit bereitete die Sprache ein Problem?
Die Sprache ist immer ein Problem, weil man als Regisseur die Neigung hat, zu viel zu reden. Ich erinnere mich noch an unseren ersten Drehtag. Mads und ich kannten uns inzwischen schon gut, hatten eine lange und intensive Vorbereitung hinter uns – vom Reittraining über die Arbeit am Text bis hin zu entspannten Momenten der Ruhe. Aber am ersten Drehtag verstand er plötzlich nichts mehr. Er war total verloren, weil ich zu viel geredet und zu viel erklärt habe. Eigentlich dachte ich nur laut nach. Natürlich verstand er da nichts mehr. Ich brauchte einige Zeit, um das zu kapieren. Er hatte Angst und ich auch. Es war eben der erste Tag. Dabei lagen noch acht Wochen Drehzeit vor uns. Also habe ich mich am Riemen gerissen und das gemacht, was man immer mit den Schauspielern machen soll: Ich habe ihn ganz konkret um Gesten und Bewegungen gebeten, darum, laut und leise zu sprechen, schnell und langsam usw. Ohne das ganze Erklärungsbrimborium. Er hörte aufmerksam zu, überlegte ein wenig und tat, wonach ich gefragt hatte. Zusätzlich versuchte er selbst, bestimmte Dinge einfach intuitiv umzusetzen. Und so haben wir bis zum letzten Drehtag zusammen gearbeitet.

Interview: Paris, April 2013

PRODUKTIONSNOTIZ VON PRODUZENTIN MARTINA HAUBRICH

Heinrich von Kleists Michael Kohlhaas ist eine zutiefst menschliche Figur, seine Geschichte universal und über Epochen- und Ländergrenzen hinweg verständlich – darin lag für mich als Produzentin der Reiz unseres ersten Spielfilms "Michael Kohlhaas". LOOKS hat bisher Dokumentarfilme, größtenteils für den internationalen Markt produziert, zum Teil in internationalen Koproduktionen. Darunter mehrere Filme mit Les Films d'Ici in Paris. So zum Beispiel "Michel Petrucciani – Leben gegen die Zeit" von Michael Radford, der 2011 im offiziellen Programm der Internationalen Filmfestspiele in Cannes lief. Schon ein Jahr vorher hatte Serge Lalou von Les Films d'Ici mir das Drehbuch zu "Michael Kohlhaas" gegeben, da er wusste, dass wir auch Spielfilme produzieren wollten. Nach der Lektüre des Drehbuchs wusste ich, dass Arnaud des Pallières' sehr freier und zeitgenössischer Umgang mit dem Stoff zu uns passt und internationales Potential hat.

Michael Kohlhaas kämpft für Recht und Gerechtigkeit – so wie er sie versteht – und ist insofern eine archaische Figur, die in der Konsequenz ihrer Anklagen gleichermaßen ein Westernheld oder ein Ritter, ein revolutionärer Weltverbesserer oder ein Terrorist sein könnte. Gerade durch seine Menschlichkeit, inklusive seiner Schwächen, wird er zu einer Figur, mit der wir uns alle identifizieren können. Das macht ihn und die Handlung so stark und stellt auch einen Bezug zu gegenwärtigen Fragen her. Das Verhältnis von Gerechtigkeit und Gewalt beherrscht heute mehr denn je die politischen Debatten: Über die Legitimität von Widerstand, gegen Willkür und Korruption staatlicher Institutionen, über die Gerechtigkeit von Weltwirtschaft und Globalisierung, über den Terror auf der einen und seine Bekämpfung auf der anderen Seite. Themen wie "Empörung" und "Aufstand" erlangten aktuelle Bedeutung – und ganz konkret erleben wir Empörung und Aufstand gerade in all ihrer Ambivalenz an den unterschiedlichsten Orten der Welt: vom arabischen Frühling, der "Occupy"-Bewegung zu den Protesten gegen politische Willkür in der Türkei und Brasilien. Dieser aktuelle, gesellschaftliche Bezug war und ist uns wichtig.

Wichtig war es uns auch weder einen französischen, noch einen deutschen, sondern einen europäischen Film zu machen. Das spiegelt sich in der Adaption des Stoffes und der Kombination der beteiligten Partner und setzte sich in der Besetzung fort. Mads Mikkelsen in der Hauptrolle, David Kross, David Bennent, Denis Lavant, Sergi Lopez und Amira Kasar und als schließlich auch Bruno Ganz zu unserer aller Freude zugesagt hatte, stellten wir erfreut fest, dass wir nicht nur einen sehr hochkarätigen, sondern auch einen sehr europäischen Cast zusammengestellt hatten.

Mir hat von Anfang an Arnaud des Pallières' Konzept für die Umsetzung gefallen, bei dem er sich für einen sehr freien und modernen Zugang entschieden hat. Sein Ansatz, keinen klassischen "Kostümfilm", sondern einen in seiner Anmutung "dokumentarischen" Film machen zu wollen, erschien reizvoll. Nicht zuletzt die Kamera, die archaischen Landschaften und die Bedeutung des Tons, der ausschließlich Originalton ist, tragen wesentlich zu dieser Anmutung bei.

Das Kostüm wurde in Deutschland von Anina Diener entworfen und komplett neu gefertigt. Es bringt Moden, Stilelemente und Details zusammen, die es jeweils für sich in der Zeit zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert in verschiedensten Regionen Europas gegeben hat. Auch hier war es das Ziel, keine bestimmte Mode eines Landes, sondern eine europäische Anmutung, geprägt von der Schlichtheit des Protestantismus zu schaffen. Dadurch erhält es eine Modernität und erschafft eine eigene Ästhetik. So wurden z. B. Muster aus einem Dürer-Gemälde genommen und per Siebdruck auf die schlichten Stoffe gebracht und mit Erdfarben kombiniert. In dieser Kombination unterschiedlicher Elemente entsteht im Zusammenspiel mit der Handlung eine eigene, fantastische Welt.

Die größte praktische Herausforderung, sowohl für die Produktion, als auch für die Schauspieler, war die intensive Arbeit mit den Pferden. Fast alle Schauspieler mussten reiten lernen, oder wie Mads Mikkelsen, es soweit perfektionieren, dass der Umgang mit den Pferden natürlich und selbstverständlich aussah. Während der vierwöchigen Vorbereitungszeit vor dem Dreh, wurde der Hof des Pferdetrainers Fred Sanabra in der Nähe von Paris für kurze Zeit zum Zentrum des Projektes. Man traf sich zum Proben, zum Reiten und zur Kostümprobe und gelegentlich trugen die abendlichen gemeinsamen Essen zur Vorfreude auf den Dreh und die gemeinsame Arbeit an dem Film bei. Zum Drehbeginn im September 2011 wurden 40 Pferde und 2 Esel in den Süden Frankreichs verfrachtet – und durch die abgelegenen Berglandschaften der Cevennen und der Vercors transportiert. Nicht zuletzt wurden vor Ort zusätzlich Pferde aus der Umgebung zur Verstärkung der "Truppen" angemietet, was den Bedarf an Heu und Wasser erhöhte. Schwer vorstellbar, aber pro Pferd muss man täglich immerhin 40 Liter Wasser und zwei Ballen Heu bereitstellen.

Unsere Dreharbeiten fanden an den malerischen Orten Aujac und St Enemie in den Cevennen, in dem über der Rhone gelegenen Kloster Pierre Chatel in Virignin, statt, in dem vorher nie gedreht wurde. Die archaischste Landschaft mit den schwer zugänglichen Motiven fanden wir in der Nähe des Font d'Urles in den Vercors. Die Dreharbeiten dauerten zwei Monate, danach folgten Schnitt und Postproduktion. Das Budget war mit knapp 5 Millionen für einen historischen Film vergleichsweise klein, aber die Motivation und das Engagement aller Beteiligten umso größer und wurde mit der Teilnahme im Wettbewerb von Cannes 2013 belohnt.

Von deutscher Seite wurde das Projekt über den Grand Accord von Arte, das deutsch- französische Abkommen Minitraité, die FFA und die MDM unterstützt und unser Verleih polyband hat sich bereits auf Drehbuchbasis an dem Projekt beteiligt.
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DIE SCHAUSPIELER

MADS MIKKELSEN - MICHAEL KOHLHAAS

Der Däne Mads Mikkelsen, Jahrgang 1965, zählt zu den wenigen europäischen Schauspielern, die es aufs internationale Parkett geschafft haben. Nach Jahren als professioneller Tänzer wechselte er in die Schauspielerei, besuchte die Schauspielschule am Theater von Aarhus, wo er seine Ausbildung 1996 abschloss. Er startete mit Nebenrollen in Kurzfilmen, sein Langfilmdebüt gab er 1996 in Nicolas Winding Refns Actiondrama "Pusher", für den Kultregisseur stand er erneut für "Bleeder" (1999) vor der Kamera und mimte auch in "Pusher II" (2004) wieder die Hauptfigur Tonny. Neben zahlreichen Fernseh-Serien (2000 Unit One – Die Spezialisten, seit 2013 die US-Serie Hannibal) und einer intensiven Theaterarbeit konzentrierte sich Mikkelsen zunächst auf Kinofilme in seiner Heimat, drehte mit Susanne Bier, Lone Scherfig und Anders Thomas Jensen. Der internationale Durchbruch kam 2006 als Gegenspieler von Daniel Craig in "James Bond 007: Casino Royale" unter der Regie von Martin Campbell. Trotz seiner großen Popularität bleibt Mikkelsen der dänischen Filmindustrie treu wie in Ole Christian Madsens "Tage des Zorns" (2008), Nikolaj Arcels preisgekröntem Historiendrama "Die Königin und der Leibarzt" (2012) oder Thomas Vinterbergs "Die Jagd" (2012), wo er für seine Rolle als vermeintlicher Kinderschänder mit dem Darstellerpreis in Cannes ausgezeichnet wurde. Nach der Fertigstellung von MICHAEL KOHLHAAS sind Filme mit Kristian Levring, Niall Johnson und Justin Kurzel geplant. Neben vielen nationalen und internationalen Preisen wurde Mads Mikkelsen 2011 mit dem begehrten European Achievement in World Cinema geehrt.

BRUNO GANZ - GOUVERNEUR

Bruno Ganz wurde 1941 in Zürich-Seebach als Sohn eines Schweizers und einer Italienerin geboren. Nach dem Besuch der Schauspielschule Zürich stieß er 1970 zum Ensemble der Berliner Schaubühne, er arbeitete mit Regie-Koryphäen wie Peter Zadek, Peter Stein, Claus Peymann, Klaus Michael Grüber, Luc Bondy und Dieter Dorn zusammen und trat über die nächsten Jahrzehnte auch in Fernseh-Filmen und Fernseh-Serien auf. Ab Mitte der 1970er Jahre wurde er einem größeren Kinopublikum bekannt durch Rollen in Wim Wenders "Der amerikanische Freund" (1977), Hans W. Geissendörfers "Die Wildente" (1976) oder Reinhard Hauffs "Messer im Kopf" (1978). Mit Wim Wenders arbeitete er erneut bei "Der Himmel über Berlin" (1987) und "In weiter Ferne so nah" (1993) zusammen. Im Februar 1996 vererbte ihm der Schauspieler Josef Meinrad den Iffland-Ring, der seit über 100 Jahren an den jeweils "bedeutendsten Schauspieler" deutschsprachiger Bühnen weitergegeben wird. Ganz spielte 2000 im Publikumsliebling "Brot & Tulpen" (Pane e Tulipani) mit und verkörperte 2003 Adolf Hitler in Oliver Hirschbiegels "Der Untergang". Nicht nur in deutschsprachigen, sondern auch in großen internationalen Produktionen ist Ganz eine feste Größe, er drehte u.a. unter der Regie von Theo Angelopoulos, Jonathan Demme, Francis Ford Coppola und Stephen Daldry. Nach MICHAEL KOHLHAAS wirkte er in Ridley Scotts "The Counselor" mit. Bruno Ganz wurde u.a. mit dem Bambi ausgezeichnet, mit diversen Deutschen und Schweizer Filmpreisen, mit dem Europäischen Filmpreis. 2010 wurde er mit dem Europäischen Filmpreis für sein Lebenswerk geehrt.

MÉLUSINE MAYANCE - LISBETH

Die 1999 geborene Mélusine Mayance gehört zu den großen Schauspieler-Hoffnungen Frankreichs. Durch ihre künstlerisch orientierten Eltern erwachte schon sehr früh ihre Lust am Film, so war es kein Zufall, dass François Ozon sie 2009 für "Ricky" engagierte , wo sie an der Seite von Alexandra Lamy und Sergi López brillierte. Im gleichen Jahr wurde sie für die TV-Serie "Vive les Vacances!" unter Vertrag genommen und für die TV-Filme "La Peau de chagrin" und "Les Associés". Ein Jahr später spielte sie unter der Regie von Olivier Péray im TV-Film "Un Soupçon d`Innocence" mit wie auch in Georges-Jean Arnauds "Les Jeudis de Julie". International bekannt wurde sie mit dem Drama "Sarahs Schlüssel", inszeniert von Gilles Paquet-Brenner nach der Vorlage von Tatiana de Rosnay. 2011 begeisterte sie ein breites TV-Publikum durch Josée Dayans "Bouquet Final", wo sie mit Stars wie Jeanne Moreau und Julie Depardieu vor der Kamera stand. MICHAEL KOHLHAAS sollte ihr international die Türen öffnen.

DELPHINE CHUILLOT - JUDITH

Nach einer Ausbildung am Nationaltheater in Strasbourg und dem Kunst-Konservatorium in Orléans verschrieb sich Delphine Chuillot erst einmal der Bühne, debütierte in Aufführungen von Julien Joubert ("Le Café des Bords de Loire", 1997 und "Lettre d`une Inconnue", 1998), arbeitete u.a. mit Eric Lacascade zusammen und Jean-Louis Martinelli. Neben den Auftritten in Fernseh-Produktionen machte sie sich einen Namen im Kino unter der Regie von Nicolas Philibert ("Qui sait", 1999), Léos Carax ("Pola X", 1999) oder Géraldine Bajard ("La Lisière – Am Waldrand", 2010). Inzwischen kann sie auf mehr als ein Dutzend Kinofilme zurückblicken. MICHAEL KOHLHAAS ist nach "Parc" (2008) ihre zweite Zusammenarbeit mit Arnaud des Pallières.

DAVID KROSS - PREDIGER

David Kross, Jahrgang 1990, war deutscher European Shooting Star der Berlinale 2009. Entdeckt wurde er schon 2006 von Detlev Buck für dessen hartes Sozialdrama "Knallhart" über Berlin-Neukölln, es folgte die Zusammenarbeit bei "Hände weg von Mississippi" (2007), bei der Bestsellerverfilmung "Same same but different" (2009) und "Die Vermessung der Welt"(2012). Meriten sammelte er für die Hauptrolle in Marco Kreuzpaintners "Krabat" (2008). Internationales Renommée erlangte Kross mit "Der Vorleser" (The Reader, 2008) an der Seite von Kate Winslet unter der Regie von Stephen Daldry. Für die Rolle des jungen Michael Berg gewann er den Trophée-Chopard Award ein Jahr später in Cannes. 2011 und 2012 arbeitete er national wie international – in Hans Bierbichlers "Das Blaue vom Himmel" (2011) und Steven Spielbergs "Gefährten" (War Horse, 2011), Peter Naess' "Into the White" (2012) und Sherry Hormanns "Anleitung zum Unglücklichsein" (2012). Nach dem jungen Prediger in MICHAEL KOHLHAAS ist er demnächst als Sonnenkönig Ludwig XIV in Ariel Zaitouns Neuverfilmung von "Angélique" zu sehen.

DAVID BENNENT - CÉSAR

Der geborene Schweizer David Bennent, Jahrgang 1966, arbeitete mit den bedeutendsten Theaterregisseuren an europäischen Bühnen zusammen, spielte Rollen in Kino und Fernsehen. International bekannt wurde er als Elfjähriger durch den legendären Oskar Matzerath in Volker Schlöndorffs "Die Blechtrommel" (1979) nach dem Roman von Günter Grass, ein Meisterwerk, das weltweit Preise sammelte, darunter die "Goldenen Palme" 1979 in Cannes und 1980 den "Oscar" in der Kategorie "Bester fremdsprachiger Film". Bennent erhielt sein erstes Theaterengagement 1984 an der Comédie Français in Paris, es folgten Engagements an der Schaubühne Berlin, unter Regisseur Peter Brook war er von 1990 bis 1997 Mitglied des Pariser Ensembles. Weitere Stationen waren u.a. das Wiener Akademietheater, das Berliner Ensemble und das Berliner Renaissance-Theater. Unvergesslich seine Auftritte in Hans Neuenfels` "Amphitryon", Georges Taboris "Purgatorium" und "Erdbeben-Concerto" oder Leander Haußmanns "Ein Sommernachtstraum". Im Fernsehen arbeitete er für Serien und TV-Movies. Seine Filmographie umfasst Werke wie "Legende" (Legend, 1985) von Ridley Scott, "Poem – Ich setzte den Fuß in die Luft und sie trug" (2003) von Ralf Schmerenberg, "She hate me" (2004) von Spike Lee, "Ulzhan – das vergessene Licht" (2007) erneut unter der Regie von Volker Schlöndorff. In MICHAEL KOHLHAAS spielt er den treuen Knecht César.
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HEINRICH VON KLEIST UND MICHAEL KOHLHAAS

Einen "Don Quijote rigoroser bürgerlicher Moralität" nennt Ernst Bloch Michael Kohlhaas, die Titelfigur von Heinrich von Kleists Novelle. Das erste Fragment erschien 1808 in der Literaturzeitschrift Phöbus, vollständig wurde die Novelle 1810 im ersten Band von Kleists "Erzählungen" publiziert, sie gehört zu den wichtigsten deutschsprachigen Erzählungen der damaligen Epoche.
Das Werk basiert auf dem Schicksal von Hans Kohlhase, der im 16. Jahrhundert als Kaufmann im Brandenburgischen lebte. Als ihm im Oktober 1532 auf dem Weg nach Leipzig auf Befehl des Junkers von Zaschnitz zwei seiner Pferde abgenommen werden mit der Begründung, sie seien gestohlen, versucht der bis dato unbescholtene Mann juristisch sein Recht zu bekommen. Die Gerichtsverhandlung im Mai 1533 brachte keine Lösung des Konflikts, die Erben des verstorbenen Ritters verweigerten eine adäquate Entschädigungszahlung. Aus Zorn über diese Ungerechtigkeit erklärte Kohlhase den Herrschenden den Krieg und zog brandschatzend durch Wittenberg. Nach seiner Verhaftung wurde er im Mai 1540 öffentlich in Berlin gerädert.

Kleists "Michael Kohlhaas", der sich von den Fakten entfernt, spiegelt das gespannte Verhältnis zwischen Individuum und einer autoritären Obrigkeit wider, den Kampf für Gerechtigkeit, auch wenn sich sein Gerechtigkeitssinn im Laufe der Erzählung verändert und er zur Selbstjustiz greift. Das Drama wurde bisher einige Male verfilmt: 1967 als "Michael Kohlhaas" unter der Regie von Wolf Vollmar, 1969 als "Michael Kohlhaas – der Rebell" von Volker Schlöndorff, 1999 als "Reiter auf verbrannter Erde" von John Badham (Originaltitel: The Jack Bull). Arnaud des Pallières ist mit "Michael Kohlhaas" der vierte Regisseur, der die Geschichte auf die Leinwand bringt. Eine Affinität zu Kleist bewies auch der Franzose Eric Rohmer. Er verfilmte nicht nur 1975 die Geschichte der "Marquise von O…", sondern vier Jahre später auch "Das Käthchen von Heilbronn" unter dem Titel "Catherine de Heilbronn".
Heinrich von Kleist (10. Oktober 1777 bis 21. November 1811) zählt zu den größten Dramatikern, Erzählern und Lyrikern seiner Zeit. Der Sproß einer Familie pommerschen Uradels begann nach seiner Entlassung aus dem Militär 1799 an der Viadrina in Frankfurt/Oder ein Studium, doch die wissenschaftliche Ausbildung und die Naturwissenschaften genügten ihm bald nicht mehr. Inwieweit ihn die Lektüre von Immanuel Kants "Kritik der Urteilskraft" in eine Lebenskrise stürzte, darüber streiten sich die Kleist-Forscher. Nach einer ausgedehnten Reise nach Frankreich, wo er sich mit den Werken der französischen Aufklärung von Voltaire und Jean-Jacques Rousseau beschäftigte, zog er aufs Land, um ein bäuerliches Leben zu führen und begann zu schreiben. Nach kurzer Zeit im Staatsdienst entschied er sich, sich ganz der "dramatischen Arbeit" zu widmen. Es entstanden Werke wie "Der zerbrochene Krug", das Lustspiel "Amphitryon", das Trauerspiel "Penthesilea" sowie die Erzählungen "Michael Kohlhaas" und "Das Erdbeben von Chili". Während eines kurzen Aufenthalts in einem französischen Kriegsgefangenenlager, wo man ihn als Spion internierte, soll er die Novelle "Die Marquise von O…" verfasst haben. Gemeinsam mit dem Philosophen Adam Heinrich Müller gab er das Journal für die Kunst "Phöbus" heraus, in dem er u.a. auch "Michael Kohlhaas" veröffentlichte.
Zu seinen weiteren wichtigsten Werken zählen "Das Käthchen von Heilbronn", "Die Hermannsschlacht" und "Prinz Friedrich von Homburg". In der Epoche zwischen Klassik und Romantik war Ausweglosigkeit eines seiner zentralen Themen. Aber er ließ sich weder von der Romantik noch von der Weimarer Klassik vereinnahmen und war von seinen Zeitgenossen, darunter auch Johann Wolfgang von Goethe, umstritten. Fast mittellos setzte er seinem Leben gemeinsam mit der an Krebs leidenden Henriette Vogel am 21. November 1811 ein Ende.
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BEWERTUNGEN & PRESSESTIMMEN

BEWERTUNGEN

Und das meint die unabhängige Jury der DEUTSCHEN FILM- UND MEDIENBEWERTUNG (FBW) zum Film:
"Die radikale, aber nie eigensinnige Art, die Geschichte zu erzählen, verliert ihre Fallhöhe zu keinem Zeitpunkt. Ein Film, der ohne viel Sprache auskommt, der etwa allein über die Zwischenschnitte auf das Gesicht der Tochter unglaubliche Geschichten erzählt und eine kluge Nachdenklichkeit ermöglicht. Arnaud des Pallières MICHAEL KOHLHAAS steht als Solitär in der oft nur leicht variierten Dutzendware der aktuellen Bilderproduktion. Ein Meisterwerk. Ob des Pallières die kurze Novelle von Kleist auch in 90 statt der 122 Minuten hätte erzählen können? Von unsere Seite ein klares Nein. Ein beeindruckender Film über die Diskrepanz zwischen Recht und Gerechtigkeit und eine gelungene Literaturverfilmung eines Werkes mit ungebrochener gesellschaftlicher Relevanz."
LINK ZUR FBW

PRESSESTIMMEN

"Mikkelsen in einer Parade-Rolle. Empfehlenswert"
TV Movie

"Großes Kino! Dieser 'Michael Kohlhaas' ist nicht nur ein düsterer Historienfilm sondern nach wie vor brandaktuell."
tagesthemen

"Die Bronzestatue, zu der der große Mads Mikkelsen seinen Charakter modelliert, ist schon jetzt ein Klassiker."
Kulturnews

"Stilisierte, wuchtige Adaption von Heinrich von Kleists Novelle (…) mit Mads Mikkelsen ideal besetzt."
Blickpunkt Film "Mit einem wie immer sensationellen Mads Mikkelsen (…) gelingt Regisseur Arnaud des Pallières zwei Stunden aufregendes Kino, das nicht nur trefflich unterhält, sondern auch einen Literaturklassiker mit einer Geschichtsstunde kombiniert und uns darüber hinaus allerlei Interpretationsmöglichkeiten für die heutige Zeit aufzeigt. Vielmehr kann man vom Kino nicht mehr erwarten."
biograph

"Eine herausragende Literatur-Verfilmung, die nicht nur zeitgemäß und hochmodern ist, sondern der übermächtigen Buchvorlage mehr als gerecht wird. Chapeau!"
Kino & Co

"Ein beeindruckender Film über die Frage nach Recht und Gerechtigkeit."
Dresdner Kinokalender

"Sehenswert."
Stadtrevue Köln

"Dieser MICHAEL KOHLHAAS ist weder Schlachten-, Sitten- noch Ausstattungsgemälde, achtet religiöse Symbole, statt in ihnen zu ersaufen. Es handelt sich schlicht und einfach um kraftvolles Kino 2013."
Player

"Regisseur Arnaud des Pallières hat Kleists moralischen Kampf um das Recht neu verfilmt und sich dabei hervorragender Darsteller wie Mads Mikkelsen, Bruno Ganz und David Kross bedient."
Kulturfalter Halle

"Mads Mikkelsen in der Titelrolle mit magischer Aura."
trailer

"Gelungen atmosphärisch inszeniertes, kompromissloses Selbstjustizdrama."
choices

"Wenn Mads Mikkelsen im Namen der Gerechtigkeit Unrecht begeht, macht er aus einer 200 Jahren alten Figur eine Symbolfigur des Widerstands gegen die Willkür der Mächtigen – auch die der Moderne."
uMag

"Michael Kohlhaas - Das ewige Lied vom Rebellen."
Berliner Morgenpost

"Des Pallières inszeniert Michael Kohlhaas als Naturgewalt."
WAZ

"Mads Mikkelsen: Das Wort 'cool' ist wohl eigens für ihn erfunden worden. Die Dänen halten ihn für den 'Sexiest Man in the World'. Uns kommt Mads nun ganz klassisch - als einer der Helden der deutschen Literatur."
Für Sie

"Die berühmte Novelle von Heinrich von Kleist im Kinoformat. Mikkelsen ist eine Wucht!"
Gong

"Michael Kohlhaas: Stark und poetisch."
Cosmopolitan

"Heinrich von Kleists Novelle, verfilmt im Stil eines späten Kurosawa. Mads Mikkelsen gibt in der Titelrolle einen fast avantgardistisch anmutenden Mann: idealistisch und schön, stolz und selbstzerstörerisch."
epd Film

"Es gelingt des Pallières die Lektüreerfahrung als Ganzes auf die Leinwand zu transportieren. Das heißt, beim Zuschauer Mitgefühl und Bewunderung für einen Kohlhaas zu wecken, dem man nachsieht wie einer losgetretenen Lawine."
FAZ

"'Michael Kohlhaas' nach Heinrich von Kleist hat mit dem Dänen Mads Mikkelsen einen Star."
SZ

"Ein kluger Film."
Der Standard

"grandioser Mikkelsen... Mads Mikkelsen wagt den Aufstand."
TV Digital

"Dem Franzosen Arnaud des Pallières ist ein (eigenwilliges) Meisterwerk gelungen. Sinnliches, hintergründiges und puristisches Kino vom Allerfeinsten also - in Zeiten einer fast überbordenden digitalen Dreidimensionaltität ist das wie ein erquickender Abenteuerurlaub."
Filmecho

"Des Pallières hat die Handlung in die südfranzösischen  Cevennen verlagert. Die urwüchsige Landschaft passt großartig zu dieser archaisch anmutenden Geschichte und Mads Mikkelsen passt großartig in diese Landschaft. Michael Kohlhaas ist ein im besten Sinne konventioneller Film; auf digitale Effekte wurde komplett verzichtet."
Südkurier

"Und noch zwei Filme die sich lohnen... 'Michael Kohlhaas': Mads Mikkelsen hätte die Rolle des Rebellen fast nicht bekommen - wegen zu guten Aussehens! Gott sei Dank nur fast: Das düster-romantische Historiendrama ist wirklich sehenswert."
Freundin

"Es geht um ein zeitloses Thema in Heinrich von Kleists bekannter Novelle 'Michael Kohlhaas'. Mads Mikkelsen spielt Michael Kohlhaas als modernen Helden."
ZDF Neu im Kino

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Die Novelle zum Film ist als insel taschenbuch erschienen.
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